Neue Patenschaften für das Projekt „Hausfliesenbruch“
Kunstprojekt von Diakonie und Kirche für Menschen in prekären Lebenslagen
Wiesbaden, den 21.04.2026. Im Rahmen des Projekts „Hausfliesenbruch“ der Regionalen Diakonie Wiesbaden Rheingau-Taunus und des Evangelischen Dekanats Wiesbaden wurden in den vergangenen Tagen gleich drei Keramikfliesen an unterschiedlichen Orten in Wiesbaden enthüllt: am Gemeindehaus der Evangelischen Bergkirche Wiesbaden in der Lehrstraße und am Parteibüro von Die Linke Kreisverband Wiesbaden in der Büdingerstraße sowie bereits Anfang April beim Stadtjugendring Wiesbaden (Albrecht-Dürer-Straße).
Klient:innen aus dem Bereich Wohnungsnotfallhilfe der Diakonie haben seit dem Start des Projekts im Jahr 2022 insgesamt rund 50 Fliesen gestaltet. 19 davon haben bereits „Paten“ gefunden, die sich bereit erklärt haben, die Fliese an ihrer Hausfassade im Stadtgebiet von Wiesbaden anzubringen. Die Kunstwerke sind jeweils mit einem QR-Code versehen, der zu einem erklärenden Text verlinkt.
Fliesenanbringung an der Bergkirchengemeinde (v. l. n. r.): Alexander Trauten (Sozialarbeiter RD WIRT), Nicole Nestler (Fachstelle Gesellschaftliche Verantwortung, Evangelisches Dekanat Wiesbaden), Pfarrer Markus Nett (Bergkirchengemeinde), Kim Linz (Bereichsleitung Wohnungsnotfallhilfe, RD WIRT) und Susanne Bender-Petrovic (Assistenz Soziale Arbeit/Fundraising, RD WIRT).
Interesse von Konfirmand:innen der Bergkirchengemeinde
Beim heutigen Enthüllungstermin sagte Pfarrer Markus Nett von der Bergkirchengemeinde: „Unsere Gemeinde ist auf vielerlei Wegen mit dem Thema Wohnungslosigkeit befasst: Wir sind Teil des Projektes ‚Dach überm Kopf‘, außerdem haben wir uns mit unseren Konfirmandinnen und Konfirmanden eingehend mit dem Thema beschäftigt. Wir hatten etwa Besuch von zwei Mitarbeitenden aus der Teestube und haben uns Gedanken zu dem Projekt Hausfliesenbruch gemacht. Da hat es sich für uns angeboten, dass wir auch an unserem Gemeindehaus eine solche Fliese anbringen lassen.“
Die Fliesen und die dahinter stehenden Schicksale werden auch im Mittelpunkt des Vorstellungsgottesdienstes der Konfirmanden am Sonntag, 17. Mai, 11.30 Uhr, in der Bergkirche (Lehrstraße 6) stehen.
Nicole Nestler vom Evangelischen Dekanat, die das Projekt „Hausfliesenbruch“ vor vier Jahren gemeinsam mit der Regionalen Diakonie ins Leben gerufen hat, sagte: „Wohnungslosigkeit gehört leider zu unserer Stadt dazu. Hinter jeder Fliese steht ein schweres menschliches Schicksal. Es ist unsere Aufgabe als Christinnen und Christen und als Gesellschaft, davor nicht die Augen zu verschließen. Mit der Fliese am Gemeindehaus der Bergkirche machen wir viele auf das Thema Wohnungslosigkeit aufmerksam. Wir freuen uns, dass nun bereits an sechs kirchlichen Gebäuden eine Fliese hängt und hoffen, dass diesem Beispiel noch viele weitere Orte folgen.“
Die an der Bergkirchengemeinde angebrachte Fliese trägt den Titel „Ein Bulle, der stark genug wäre, aber nicht weiß, wie es weiter gehen soll.“ Die Erklärung des Künstlers lautet: „Mein persönlicher Gedanke dafür, dass ich denke, dass ich stark genug bin, aber nicht weiß, wie ich meine Stärken aufwecken kann. Es wäre schön, wenn die Menschen mehr Verständnis füreinander hätten und friedlich miteinander umgehen würden, denn wir alle sind irgendwie gleich – unabhängig von Status und Farbe.“
Fliesenenthüllung am Parteibüro der Linken (v.l.n.r.): Ingo von Seemen (Stadtfraktionsvorsitzender, Die Linke), Kim Linz (Bereichsleitung Wohnungsnotfallhilfe, RD WIRT), Jona Löbcke (Kreisvorsitzender Die Linke), Nicole Nestler (Fachstelle Gesellschaftliche Verantwortung, Evangelisches Dekanat Wiesbaden), Susanne Bender-Petrovic (Assistenz Soziale Arbeit/Fundraising, RD WIRT) und Alexander Trauten (Sozialarbeiter RD WIRT).
Vom Schwarzfahren in die Wohnungslosigkeit
Am Parteibüro der Linken wurde eine Keramikfliese enthüllt, auf der ein Linienbus dargestellt ist. Die Künstlerin – eine Klientin der Diakonie im Betreuten Wohnen – nimmt darauf Bezug, dass wohnungslose Menschen sich häufig kein Busticket leisten können. Sie selbst ist wegen der Ersatzfreiheitsstrafe in die Wohnungslosigkeit geraten. „Fahren ohne Fahrschein – ein an sich geringfügiges Vergehen, das dennoch Existenzen zerstören kann“, sagte Ingo von Seemen, Fraktionsvorsitzender der Linken Stadtfraktion. „Auf Initiative der Linken Stadtfraktion haben die Linke, Bündnis 90/Die Grünen, SPD und Volt durchgesetzt, dass das Fahren ohne Fahrschein in Wiesbaden nicht länger strafrechtlich verfolgt wird. Ein klares Signal dafür, was politisch möglich ist, wenn der Wille zum Schutz von vulnerablen Gruppen da ist.“
„Das Projekt ‚Hausfliesenbruch‘ steht für die Sichtbarkeit randständiger Personen, darunter wohnungslose Menschen, und richtet den Fokus auf ganz unterschiedliche Facetten prekärer Lebenslagen. Die Geschichte hinter dieser Fliese zeigt zum Beispiel, wie schnell Personen in die Wohnungslosigkeit geraten können“, so Kim Linz, Bereichsleiterin Wohnungsnotfallhilfe der Diakonie.
Wohnungslose Menschen möchten gesehen werden
Anfang April hat der Stadtjugendring die Patenschaft für die Fliese mit dem Titel „Mein Traumhaus“ übernommen. Dazu schrieb die Person, die das Werk gestaltet hat: „Ich wünsche mir so ein Haus. Und ich wünsche es mir, von Anderen gesehen und wahrgenommen zu werden.“ Die Beteiligten, darunter Renke Theilengerdes und der scheidende Projektleiter Jugendnaturzeltplatz Rico Petzold, waren sich einig: Ein berührender Wunsch, der daran erinnert, wie wichtig es ist, genau hinzusehen – gerade bei jungen Menschen, die keinen sicheren Ort haben.
Fliesenanbringung beim Stadtjugendring: Vorne links: Susanne Bender-Petrovic (Assistenz Soziale Arbeit/Fundraising) und Alexander Trauten (Sozialarbeiter), beide RD WIRT; stehend v.l.n.r.: Natascha Leucht, Laura Wirsching und Karima Chaban (alle SJR), Nicole Nestler (Fachstelle Gesellschaftliche Verantwortung, Evangelisches Dekanat Wiesbaden), rechts Rico Petzold (Leiter Jugendnaturzeltplatz, SJR), Richard Hauptmeier (Sozialarbeiter, RD WIRT) und Renke Theilengerdes (Geschäftsleitung, SJR).
Mehr Informationen und Details zu allen Fliesen finden sich auf der Projektseite Hausfliesenbruch.
Über die Regionale Diakonie Wiesbaden Rheingau-Taunus
Die Regionale Diakonie Wiesbaden Rheingau-Taunus ist Teil der Regionale Diakonie in Hessen und Nassau gGmbH. Mit jeder der neun Regionalen Diakonien in Hessen und Rheinland-Pfalz leisten wir aktiv die soziale Arbeit der Evangelischen Kirche. Dafür setzen sich über 1.500 Mitarbeitende sowie rund 5.000 Ehrenamtliche ein. Unsere Angebote können von jeder Person in Anspruch genommen werden, unabhängig von Nationalität, Religion und sozialem Status. Wir beraten, begleiten und betreuen im Jahr ca. 120.000 Menschen und leisten Hilfe zur Selbsthilfe.
Die Angebote und Einrichtungen der Regionalen Diakonie Wiesbaden Rheingau-Taunus gliedern sich in fünf Arbeitsbereiche: Soziale Teilhabe; Wohnungsnotfallhilfe; Beratung; Frauen, Kinder, Jugend- und Familienhilfe sowie Gemeinwesenarbeit. Insgesamt engagieren sich rund 180 hauptamtliche Mitarbeitende und zirka 400 Ehrenamtliche an 21 Standorten in Wiesbaden und dem Rheingau-Taunus-Kreis für Menschen, die Rat und Hilfe benötigen.
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